Sonntag, 17. November 2013

[Interview] Kim Voigt mit "Norrik Nordwind"


Das folgende Interview habe ich mit der Jungautorin Kim Voigt gehalten. Es geht um ihr Erstbuch „Norrik Nordwind“, welches Anfang Oktober im Verlag novum pro erschien.

Über die Autorin Kim Voigt
Zum Warmwerden: Erzähl uns doch mal wer du bist!
Ich bin die Tochter eines Mannes, welcher in seiner Freizeit Krokodile hält und seine Träume lebt. Ich denke, dass er mich dadurch sehr beeinflusst hat, so dass ich auch meine Träume leben will. Ich bin ein humorvoller, logisch denkender Mensch, der in Fantasy-Büchern bisher immer etwas vermisst hat, was ich nun in meine Bücher einarbeiten konnte. Ich bin 30 Jahre alt und habe bis auf dieses Buch noch nicht viel geleistet, sonst würde ich jetzt nicht noch studieren.
Philosophen beschäftigen sich seit Jahrtausenden mit der Frage nach dem „Wer bin ich“, da Sokrates und Shopenhauer auch keine Antwort wussten, ist diese Frage wohl schon etwas kompliziert (lacht).
Ich denke, dass kein Mensch ein einseitiges Interesse haben kann, auch meine Interessen sind weit gefächert, ich interesse mich für viele Gebiete. Außerdem bin ich sehr naturverbunden, schmiere mir keine 3 Zentner Schminke ins Gesicht und bin so wie ich bin. Manchmal wünsche ich mir anders zu sein - zielstrebiger, nicht so leicht abzulenken und konsequenter z.B. in der Uni. Aber jeder positive Aspekt hat auch eine negative Seite. Manchmal fühle ich mich wie ein heißluftgefülltes Objekt (lacht), welches in den Wolken schwebt, einerseits schwebe ich bei meinen Fantasy-Büchern in anderen Sphären und andererseits versuche ich mich immer noch auf dem Boden zu halten.

Du bist ja noch eine Jungautorin. Und Norrik Nordwind ist dein erstes Buch. Wie fühlt man sich, wenn man ein geschriebenes Buch von sich kaufen kann?
Nunja, das Paket kam bei mir zu Hause an und es fühlte sich eher so an, als hätte ich ein Buch vom Versandhandel bestellt – es war ein sehr unwirkliches Gefühl. Ich war aber auch wirklich sehr stolz. Ich musste das Buch 9x in 2 Tagen lesen – da fehlte schon etwas der Elan das Buch in die Hand zu nehmen und gleich nochmal zu lesen (lacht). Aber als diese Unwirklichkeitsphase nachlies war ich wirklich sehr stolz, so ungefähr fühlte ich mich auch, als ich den Verlagsvertrag in den Händen hielt.

Kannst du anderen zukünftigen Jungautoren einen Tipp geben, was man benötigt oder wie lange es dauern kann, bis das fertige Buch im Regal steht? Es muss sicherlich schwer sein - nach deinem Autorenprofil - Kind und Uni und Bücher schreiben unter einen Hut zu bekommen.
Das Schreiben des Buches dauerte in etwa 3 Monate, das Korrigieren von meinem Freund und mir nochmal 6 Monate und dann dauerte es nochmal 1 Jahr bis mir der Verlag das erste Exemplar zuschickte. Ich hatte aber auch Glück, da der erste Verlag, an den ich das Buch schickte, dieses gleich akzeptiert hat.
Auf jeden Fall benötigt man Geduld, da man permanent an dem Buch hängt und natürlich Zeit. Weiterhin sollte man als Schreiber Fantasie, Mut, Talent, Geld und Unterstützung mitbringen.
Da ich einen lieben Freund und eine liebe Tochter habe, die zu Beginn meines Buches 3 Monate alt und sehr ruhig war, und ich mir die Zeit zum Schreiben genommen habe – war mir das Verfassen des ersten Buches möglich.
Mein Freund ist sozusagen meine „Eisenkugel am Bein“, er holt mich aus der Fantasywelt in die Realität zurück, außerdem hat er mich auch mit seiner "nicht fantasymögenden Art" unterstützt (lacht).
Mein Kind half mir bestimmte Ideen und Anstöße zu geben, welche ich ebenfalls im Buch eingearbeitet habe. Es ist wichtig jemanden zu haben, der einen bei seinen Träumen unterstützt, auch in der Uni musste ich den einen oder anderen Übungszettel schon mal auf meinen Arbeitspartner abwälzen – aber ich denke schon, dass ich multitaskingfähig bin.
Alles in allem war das Buchschreiben aber auch stressig – der Tag hat einfach zu wenige Stunden, ich bräuchte noch 24 Stunden mehr, um alles zu schaffen – aber man wächst an seinen Herausforderungen.

Welche Bücher liest du denn gern und was machst du sonst in deiner Freizeit?
Im Moment fehlt mir einfach die Zeit, um Bücher zu lesen und ich denke, dass sich diese Situation nicht so schnell ändern wird. Fantasy-Bücher kommen derzeit nicht in Frage, da ich beim Schreiben meiner Bücher nicht beeinflusst werden will und vielleicht noch ein Plagiat herausbringe (lacht). Neil Gaiman, ein Wahnsinns-Autor und  Terry Pratchett lese ich ansonsten schon sehr gern.
Als letztes habe ich übrigens „Das kleine Monster“ und „Die kleine Raupe Nimmersatt“ gelesen.
Aber ich lese nicht nur Fantasy-Bücher, sondern auch die „alten Meister“, wie Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle, Erniedrigte und Beleidigte von Dostojewski, Heine oder Heinrich Böll. Ich mag witzige Literatur, auch wenn das für den einen oder anderen gerade nicht so wirkt.
Ich war im Deutsch Leistungskurs und hatte im Abitur eine 5, ich finde, dass der fantasielose Unterricht viel kaputt macht und einen die Lesefreude nimmt – da sollte sich vielleicht mal etwas tun.
Ansonsten zählen zu meinen Hobbies: mit dem Hund joggen gehen, er heißt Sherlock und ist eine Mischung aus Angsthase und Waschbär und im Dunklen joggen ist gar nicht so leicht. Ansonsten bin ich den Tag lang mit Babysitten, Lernen, Schreiben und der Hausarbeit beschäftigt. Am liebsten bin ich natürlich am Schreiben – in meinem eigenen Reich.

Zum Buch "Norrik Nordwind"
Könntest du dein Buch mit einem Satz beschreiben oder ein paar passende Schlagwörter dafür finden?
Norrik ist ein Außenseiter, er wollte weder Lehrer, noch Held, noch Revolutionär werden. Er hatte keine Ahnung was er werden wollte, so wie es wohl vielen geht. Das Buch beschreibt, wie er es geschafft hat all diese Persönlichkeiten unter einen Hut zu bekommen. Außerdem lernt er am Ende des Buches, dass man für sein Glück kämpfen sollte. Er kämpft jedoch mit Worten und nicht mit Waffen, was für einen Fantasy-Roman sicherlich untypisch ist.

Was ist die Idee hinter dem Buch oder besser, wie bist du auf die ganzen Ideen für dein Buch gekommen?
Keine Ahnung (Pause, lacht). Die Charaktere sind mir sozusagen zugeflogen und die Geschichte hat sich selbst entwickelt, ich hatte keine konkrete Idee. Die geübte Kritik am Schulwesen ist sicherlich meinem Studium zuzuordnen, aber das habe ich nicht bewusst in das Buch eingearbeitet. Norrik hat sich auch ganz anders in der Geschichte entwickelt, als ich es für möglich hielt – kein Charakter hatte bei mir von vornherein einen Stempel, das dieser dies oder jenes verkörpern soll.

Dein Buch würde sich am besten dem Bereich Fantasy einordnen, richtig? Für welche Lesergruppe ist das Buch geeignet und warum?
Ich denke, dass das Buch für Jugendliche älteren Kalibers und für erwachsene Träumer ist. Es gibt einige politische Aspekte im Buch, die dieses interessanter machen.  Und natürlich kommen auch Sex-Szenen im Buch vor, dies ist ein Bestandteil unseres Lebens und auch von Norriks und denen, denen er begegnet. Da mein Schreibstil sehr bildhaft und plastisch ist, ist es eher kein Buch für Kinder.

Warum hast du kein Drama oder Krimi geschrieben?
Norrik geht im Buch durch viele Höhen und Tiefen. Man erfährt viel über die Konflikte in seinem Leben, was auch dramatische Züge annimmt. Jedoch ist dieses Buch nicht als Drama gedacht – Norrik weint nicht wie in den "Leiden des jungen Werthers" von Goethe (lacht).
Ich würde wirklich gern einen Krimi schreiben, jedoch plane ich meine Bücher nicht und Krimis sollten durchdacht und geplant sein. Ich denke, dass der Krimi eine Königsdisziplin ist und die Fantasy eher der Bodensatz (lacht). Vielleicht schreibe ich später einen Krimi, aber im Moment fühle ich mich dem noch nicht gewachsen – ich weiß wo meine Grenzen sind.
Norrik sollte ursprünglich böse werden, doch letztenendes ist er eine nette und liebenswerte Person geworden – für einen Krimi sollte ich wohl noch viel üben (lacht). Aber was zählt ist Qualität statt Quantität und vielleicht schreibe ich mal einen "Fantastischen Krimi", mit wissenschaftlichen Zügen.

Gab es Momente in denen es schwierig war das Buch zu schreiben und Situationen wo du einfach nicht aufhören konntest weiter zu schreiben?
Ich habe in 3 Monaten 450 Seiten geschrieben, die Charaktere haben mich förmlich durch das Buch durchgehetzt. Nur an einer Stelle kam ich tatsächlich nicht weiter, es war wie ein „Stop!“.
Vorsicht Spoiler – Text markieren, falls ihr den Teil lesen wollt:
Es war an der Stelle, als Norrik vom König gezwungen wurde in den Krieg zu ziehen, obwohl dieser nicht kämpfen wollte.
An dem Tag schaute ich mir 4 Resident Evil Filme an – die „Zombiekiller-Reihe“ und dann machte es irgendwann „klick“ – es war also nur eine Nacht, wo ich tatsächlich nicht weiter wusste. Danach ging alles wie gewohnt weiter - und nein, es sind keine Züge der Filme im Buch zu finden.

Wie bist du auf die Personen- und Orte-Namen im Buch gekommen?
Dies ist eine schwierige Frage. Das Buch beinhaltet viele komplizierte Namen. Der Name von Norrik schwebte mir 2 Monate vor Beginn des Buches im Kopf herum – für mich war klar, der Name wird es sein. Für Nawen waren ursprünglich nur 10 Seiten geplant, jedoch begeisterte mich der Charakter so, dass er weiterhin Bestandteil bleibt (an dem Buch schreibe ich noch). Der Name von Soichie stammt tatsächlich aus einem Schwulenmanga. Hokorie und Ichro waren das Resultat meiner Hand auf der Tastatur – also Zufall. Bei Fayn habe ich mir schon Gedanken gemacht, es sollte ein kurzer, prägnanter und gut klingender Name werden. Ich denke, dass Nord-/Ost-/Süd- und Westreich selbsterklärend sind. Der Name von Lorain Law hat eine tiefere Bedeutung. Es gab eine Mitschülerin die ich nach einem Referat über China einfach gehasst habe, ich musste im Prinzip ihre Aufgaben mit erledigen, aber ich habe eine 1 bekommen, wohl weil ich auch die Lehrer auf Chinesisch begrüßt und mich bedankt habe (lacht). Die anderen Namen sind eher Begriffe in anderen Sprachen, wie Japanisch oder Latein. Die Waldelfen haben beispielsweise lateinische Namen, welche gleichzeitig ihren Charakter beschreiben.

Was ist die Aussage in deinem Buch?
In meinem Buch ist die Entwicklung von der Kindheit bis zum Erwachsenen beschrieben, da Elfen ab einem bestimmten Alter nicht mehr älter werden, bleiben diese im „Erwachsenen-Alter“. Das Buch ist sozusagen eine Biographie von Norrik. Was soll das Leben aussagen – eher untypisch für ein Fantasy-Buch, oder? (lacht)
Egal wie dreckig es einen geht, es gibt immer noch jemanden dem es "beschissener" geht. Das Buch ist in einer modernen Sprache geschrieben, also kein hochtrabendes „blabla“, sondern mein eigener Schreibstil – ich schreibe so wie ich eben auch spreche, dabei erschaffe ich auch mal Wortneuschöpfungen und benutze Metaphern, die wohl eher keinen tieferen Sinn haben, sich aber gut anhören.

Sind noch weitere Bücher geplant? Geht die Geschichte von Norrik Nordwind weiter?
Im ersten Buch war Sevin (von Seven of Nine (lacht)) böse. Seven ist jedoch eine sehr tragische Person, er wurde im ersten Leben verarscht und böse, aufgrund zu vieler Schicksalsschläge. Im zweiten Buch erfährt man mehr über ihn, warum er so geworden ist, da er viel erlebt hat und dies ihn beeinflusste.
Um die Frage nach weiteren Büchern zu klären, ich schreibe derzeit am sechsten Buch (lacht). Und auch die Geschichte von Norrik geht weiter. Im ersten Buch zeigt er, außer seiner Trunksucht, nur positive Eigenschaften auf. Im sechsten Buch lernt man ihn auch von einer anderen Seite kennen, weil er seine Tochter schützen muss, obwohl diese gar keiner Hilfe bedarf (lacht). Norrik ist ein guter Lehrer und kann mir anderen Kindern gut umgehen, nur nicht mit seinen eigenen.

Möchtest du den Lersern sonst noch etwas sagen?
Genießt das Buch und habt Spaß am Lesen. Lest es auch mehrmals, da viele Dinge erst beim zweiten Durchlesen klar werden.
Ich entschuldige mich für große Gedankensprünge und die komplizierten Namen, aber das ist Teil meiner Schreibart. Ich würde mich freuen, wenn euch das Buch gefällt, dass ihr es weiterempfehlt.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich beim Novum Verlag bedanken, sowie bei Tanja Fercher, die für mich verantwortlich ist.
An alle Autoren möchte ich sagen: stellt Fragen und denkt daran, dass es keinen Leitfaden gibt. Sucht auf keinen Fall nach Artikeln wie „Wie schreibe ich“ oder ähnliches, habt einfach Spaß beim Schreiben, das kann man später auch in den Büchern wiederfinden.
Ich habe von Anfang an kein Buch geplant, meine Charaktere haben sich im Laufe des Buches entwickelt und die Handlung förmlich selbst bestimmt.
Man sollte niemals „Schreiben um zu leben“, als Autor kann man nicht mehr reich werden. Solange man Spaß hat, sollte man schreiben, egal ob man es später veröffentlicht oder nicht.
(Zitiert Heinrich Heine:) „Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich glaubt, ich trüg es nie; und ich hab es doch getragen - Aber fragt mich nur nicht, wie?“ Ich finde, dass dieser Spruch ganz passend zu meinem Leben ist.
Ich habe einen wirklich tollen Verlag, jedoch nicht das nötige Kleingeld um Werbung zu machen, so dass ich hoffe, dass mein Buch über Mundpropaganda früher oder später bekannter werden wird, ich habe Geduld (lacht) und habe mir den Humor nicht nehmen lassen.
Ich möchte mich auch nochmal bei meiner kleinen Tochter bedanken und bei meinem ganz, ganz lieben Freund, alle haben mein Vorhaben als Spinnerei abgetan aber mein Freund hat zu mir gehalten und an mich geglaubt und nur durch ihn hatte ich auch den Mut das Skript einzuschicken.

Die Rezension zum Buch werde ich ebenfalls bald veröffentlichen. Wer nun Lust auf das Buch der Autorin bekommen hat, kann sich HIER auch eine Leseprobe durchlesen.

1 Kommentar:

  1. Sehr interessant zu lesen, was Kim Voigt alles erzählt. Vor allem die Tatsache, dass Sie in Deutsch im Abitur eine 5 hatte und dennoch eine Leidenschaft zur Literatur entwickelt hat, ist super.
    Elke Heinecke müsste Kim Voigts Buch ebenfalls lesen, damit Sie etwas sinnvolles zu tun hat. :) Kim, mach weiter so!!!

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